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Gespräch über Mischgruppen

Mittwoch, 13. August 2025
Für jedes Level geeignet
12min
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Videobeschreibung

Natascha Eyber und Kerstin Bredehorn berichten über ihre Erfahrungen mit Pilatesgruppen unterschiedlichen Levels.

 

Wie kann man jeden fördern und fordern ohne auf der einen Seite zu überfordern und auf der anderen Seite Langeweile zu erzeugen?

 

Natascha Eyber hat diese und andere Themen rund um den Bewegungsunterricht in ihrem Buch“ Nataschas Guide für wirkungsvollen Bewegungsunterricht“ zusammengefasst, zu bestellen bei BoD https://buchshop.bod.de/nataschas-guide-fuer-wirkungsvollen-bewegungsunterricht-natascha-eyber-9783758388125 oder im Buchhandel.

Transkript des Videos

Kerstin Bredehorn: Natascha Eyber ist hier und ich freue mich total und du hast gesagt, wir haben dieses Jahr, nächstes Jahr ein zehnjähriges. Ja, ja. Du bist schon fast zehn Jahre bei uns, aber schon viel, viel, viel länger Ausbilderin in der Pilates Methode und überhaupt im Bewegungsbereich tätig. So und was ist dein Thema heute?

Natascha Eyber: Ja, ich werde immer wieder gefragt tatsächlich, wie gehst du mit Mischgruppen um? Also jetzt beim Pilates bezogen, das bezieht sich natürlich auf alle Bewegungsrichtungen, die irgendwie im Gruppentraining stattfinden. Also ich bin ja auch Karateka, ich liebe meinen Kampftraining und es genauso, die Weißgurte und die Schwarzgurte. Und wie ist es mit Fortgeschrittenen und Anfängern in einer Gruppe? Und wie gesagt, es ist nicht nur auf den Pilates-Bereich bezogen, bei der Ballettstunde. Man hat immer wieder diese Mischgruppen und gleichzeitig wollen ja auch die wollen ja alle mitgenommen werden und alle lernen oder und das ist für den Lehrer manchmal einfach eine große Herausforderung wie man damit umgeht. Und darüber wollte ich eigentlich ganz gerne jetzt sprechen und meine Erfahrung.

Kerstin Bredehorn: sehr gerne, da bin ich mal gespannt. Ob du das genauso machst, wie ich?

Natascha Eyber: Genau, ich glaube, das ist einfach, wie machen wir es? Ich denke, man muss prinzipiell mal unterscheiden, gibt es eine Gruppe, die ein Level festgesetzt hat, und wir haben beide ein Pilates Studio, wir haben den Luxus, in Kleingruppen zu arbeiten und arbeiten zu dürfen. Und unser beider Anspruch, ich glaube, das spreche ich für uns beide, ist auch, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer was mitnehmen aus den Stunden, dass sie weiterkommen, dass sie sich im Level steigern und nicht immer nur dasselbe machen, oder? Also das ist einfach und das geht nicht in jedem Format. Es gibt natürlich große Gruppen, wo Leute einfach kommen und gehen und da stellt sich diese Frage nicht, da muss ich ein Mittellevel ansetzen, muss gucken, dass sich jeder irgendwie zu Hause fühlt und Dinge vermeiden, die potenziell gefährlich werden können und auch für die Anfänger einfach. Aber darüber möchte ich gar nicht so gern sprechen, sondern ich möchte darüber sprechen, wie wir es machen, wenn wir die Möglichkeit haben, in unseren Studios in kleinen Gruppen zu arbeiten, mit verschiedenen Leveln. Anfängerlevel, Mittelstufenlevel, fortgeschrittenen Level. Was erstmal gut klingt, aber meistens in der Realität klappt es einfach oft nicht oder das ist so. Dann nur zu dieser Zeit und nur zu dieser Zeit nur an diesem Tag. Sie sind die Freundin von jemandem oder die Frau. In der Regel ist das im Pilatus Studio die Frau, die ihren Mann mitbringt. Seltener umgekehrt. Der dann plötzlich als Anfänger dazukommt, der auch tatsächlich andere Dinge kann beziehungsweise nicht kann. Und da muss man als Lehrer, aber ich denke nicht nur als Lehrer, sondern ich denke man muss auch als Teilnehmerin oder Teilnehmer einfach gucken wo man da ist, weil alle wollen etwas lernen. Also das ist einfach so und wenn ich die Mittelstufengruppe habe und ich bin ein Anfänger und ich komme da rein, dann glaube ich ist es einfach wichtig, dass der oder diejenige versteht, dass es ein Mittelstufenlevel ist. Und auch wenn wir uns um jeden Einzelnen kümmern und wir uns das auf die Fahne schreiben in unseren Pilates-Studios und jedem versuchen das Optimale mitzugeben, es ist trotzdem wichtig, dass sich auch alle tatsächlich abgeholt fühlen und es nicht eine Einzelstunde in der Gruppenstunde wird. Und ich persönlich ich empfehle jedem, der neu ist und nur in die Mittelstufengruppe kommen kann, sei es die Uhrzeit, sei es der Tag, wie wir gerade gesprochen haben, sich den Luxus einer Einzelstunde zu gönnen, um einfach die Grundlagen zu lernen. Weil Pilates ist wie Karate, wie Ballett, wie Yoga, eine Methode, die ihre Prinzipien hat, wo ich die Grundlagen verstehen muss. Und das ist wichtig, dass ich einfach dann weiterkomme, dass ich einfach verstehe, selbst wenn ich nicht jede Übung ausführen kann, aber ich kann doch einfach dann mit diesen Grundlagen arbeiten und der Lehrer, die Lehrerin hat Chance zu sagen, pass auf, wenn wir dann alle die Beine strecken an der Übung, da hälst du einfach noch die Knie gebeugt, dann nimmst du die Belastung noch raus und das empfehle ich einfach wirklich jeder und jedem zu tun.

Kerstin Bredehorn:  Ich verstehe, würde das auch, also wenn ich jetzt zum Beispiel anfangen wollen würde, Basketball zu spielen, sag ich mal, dann würde ich doch auch, also ich würde, selbst wenn nur die fortgeschrittene Gruppe Donnerstags abends um 19 Uhr ist, ich würde mich das gar nicht trauen, da hinzugehen. Also ich würde, ich finde das schon, also ich würde es mich gar nicht trauen.

Natasha Eyber: Ja, ja, oder ich meine, ich lebe in Bayern und davor in Österreich schon jetzt auch über 20 Jahre tatsächlich und natürlich Skifahren ist immer ein Thema. Ich gehe nicht als Anfänger auf die schwarze Piste, das versteht irgendwie jeder. Also das ist völlig klar, da bin ich auf dem sogenannten Idiotenhügel, wo ich dann meine Grundtechniken erlerne.

Kerstin Bredehorn: Vielleicht sollten wir das auch Idiotengruppen nennen.

Natasha Eyber: Ich weiß nicht, ob da noch jemand kommt, aber es ist tatsächlich so, das versteht jeder, weil es einfach klar ist, was passiert. Wenn ich in die fortgeschrittene Skigruppe gehe und die schwarze Piste fahre und ich das nicht kann, dann ist die Chance, dass ich da mit einem heilen Knie rauskomme, sehr gering. Und das versteht man. Aber in Pilates ist es tatsächlich oft so, dass die Leute denken, naja, es ist ja eh Gesundheitssport und es ist gar nicht so schlimm und da kann ich ja auch irgendwie mitmachen. Aber tatsächlich, die Leute, die ganz lange kommen, die wollen ja auch weiterkommen. Und ich finde es einfach wichtig, dass da so ein Mittelniveau dann, oder ich sage mal so, dass da jeder abgeholt wird. Umkehr, wenn der Fortgeschrittene oder die Fortgeschrittene in die Mittelstufengruppe kommen, denke ich, ist es beim Pilates wie in jeder anderen Technik. Ich kann immer etwas lernen, immer. Und es ist nicht notwendigerweise, bin ich fortgeschritten, weil ich immer fortgeschrittene Übungen ausführe, sondern es ist das, dass ich die Methode so tief verstehe, dass ich auch mal mit einem Basic-Niveau zufrieden bin und einfach sage, da habe ich heute noch mal richtig tief in mich reingespürt. Ich habe meine Bauchmuskulatur noch mal gespürt, ich habe meinen Beckenboden noch mal anders gespürt, ich habe irgendwie die Ausrichtung noch mal besser gespürt, ich hatte Zeit an meinem Schultern zu arbeiten, was weiß ich. Und das sind auch für mich, das sage ich auch immer bei mir im Studio fortgeschritten heißt, in der Tiefe verstehen nicht notwendigerweise immer fortgeschrittene Übung ausführen

Kerstin Bredehorn: ja das sehe ich auch so. Also ich bin ja persönlich Freundin von basic Übungen, ich liebe ja basic Übungen und ich glaube auch, dass das je länger ich dabei bin desto schwieriger werden die basic Übungen.

Natasha Eyber: Auf jeden Fall, ich bin nach einer basic Stunde eigentlich müder als wie nach einer Advanced Stunde. Weil ich tatsächlich dann nochmal so tief da reingegangen bin, in diesem langsamen Tempo. Das finde ich einfach eine große Erfahrung.

Kerstin Bredehorn:Also wenn ich dann das mache, dann bekomme ich auch Muskelkater?

Natasha Eyber: Ja, genau. Und die andere Mischgruppe, die wir auch überall, aber in der Pilates-Welt tatsächlich auch begegnen, eben das Thema Männer und Frauen und wenige Männer bei vielen Frauen immer noch. Also es gleicht sich mehr und mehr an, so ist mindestens bei mir im Studio, wenn ich zum Karate gehe, ist umgekehrt. Es sind viele Männer und wenige Frauen. Aber wenn wir jetzt über Pilates sprechen, ich glaube da ist es einfach wichtig, dass wir Lehrer verstehen, dass wir auch da jeden abholen. Jeder hat seine Qualitäten und Dinge, die er gut kann. Und Männer zum Beispiel in der Regel, und ich möchte nicht pauschalisieren, aber es ist in der Regel so, dass Männer mehr Kraft im Bereich des Oberkörpers haben, aber dafür weniger beweglich sind. Das ist einfach meistens so. Wie gesagt, nicht immer. Ich kenne unbewegliche Frauen, ich kenne flexible Männer, ich kenne Männer, die ganz wenig Liegestütz können. Aber es ist ja oft so und der Mann, der jetzt von seiner Frau oft mitgebracht wird oder Partnerin in die Stunde, sieht erstmal in den ersten dreiviertel Stunden meistens nur seine Restriktion. Der kann nicht aufrollen, weil die Hamstrings sind zu kurz, der kann nicht gerade sitzen, der kann und so weiter und so fort. Der hat einfach vom Masseschwerpunkt oft weiter oben. Alles fällt schwer, was eben da diese hohe Masse nach vorne und oben bringen muss. Und da ist dann auch teilweise natürlich das Frustrationslevel erstmal da. Und da finde ich es dann immer wichtig, dass man doch unbedingt an Liegestützen arbeitet, an Schulterkräftungen, weil das können wir Frauen unbedingt gebrauchen und tendieren zu vermeiden, weil auch Lehre, es ist unsere Natur, dass wir das unterrichten, was wir gerne machen und was wir gerne machen, können wir gut. Das ist das. Dinge, die uns schwerfallen, vielleicht nicht heute, oder? Und dass wir uns wirklich von der Gruppe inspirieren lassen. Wer ist da? Und vielleicht mache ich heute die Liegestütze, weil es ist wichtig. Ja, das inspiriert mich, dass es da Teilnehmer gibt, die das gut können.

Kerstin Bredehorn: Geht dir das auch so, dass du manchmal so eine Stunde kreierst und denkst, die ist total schwer und deine Teilnehmer sagen hinterher so, das war easy heute, war super prima und umgekehrt. Manchmal denke ich, das soll jetzt wirklich, also was ist das denn? Und dann alle so, boah, das war so anstrengend. Weil ich glaube, es gibt einfach wenig wirklich, also es gibt keine wirklich fortgeschrittenen, natürlich gibt es wirklich fortgeschrittenen Übungen, aber in dem Mittelniveau gibt es einfach Sachen, die einem sehr leicht fallen und dem anderen fallen sie halt sehr sehr schwer.

Natasha Eyber: Und ich sag immer, ich sag das frei aus, meine schwierigste Übung ist immer noch der Pelvic Curl oder Spine Curl, wird er manchmal genannt oder Bridging, weil ich von vielleicht Natur aus, aber sicherlich bedingt durch meinen vielen anderen Sport, auch von meiner Tanzkarriere her, sehr kräftige, aber dadurch auch eher verkürzte Hüftbeuger habe. Und in diese hintere Kette reinzukommen, der Hüftextensoren, der Hamstrings und der Gesäßmuskulatur und ich habe auch noch ein Hohlkreuz, ja, das heißt diese Anbindung hier zu halten von Brustbein und Schambein im Pelvic Curl, dass ich da nicht raus kippe, die Rippen sich nicht öffnen, mega schwierig für mich. Ich mache lieber zehn Teaser, als dass ich irgendwie drei Pelvic Curls mache, aber wie gesagt, die eigentlich Foundation-Übung, die Anfängerübung ist für mich unglaublich schwierig und andere Dinge, die mich bedienen, weil ich kräftige Hüftbeuger habe, weil ich hier viel Masse oben habe, wo ich gegensteuern kann, die sind für mich viel einfacher.

Kerstin Bredehorn: Das ist bei mir auch so, so ein Teaser ist so, ja, kann ich. Meine Proportionen sind einfach gut für den Teaser. Das sind einfach Teaser-Proportionen.

Natasha Eyber: Genau, sind einfach da. Und wie gesagt, wichtig einfach, dass wir da alle abholen. Für die Pädagogen, ich habe letztes Jahr tatsächlich ein Buch geschrieben, ich habe das hier und da ist ganz viel drin zu diesem Thema, auch was der Unterschied, Einzelstunden, was ist die Motivation, warum kommt jemand zur Einzelstunde, warum kommt jemand zur Gruppenstunde, wie ist es mit Mischgruppen, das was wir gerade gesprochen haben. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich das mal alles niederschreiben muss. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich. Heißt, sieht man glaube ich, Nataschas Guide für wirkungsvollen Bewegungsunterricht. Ich habe es mit einer Co-Autorin geschrieben, mit einer guten Freundin von mir, die schreibt besser als ich. Und ja, das haben wir im August letzten Jahres rausgebracht. Richtet sich nicht nur an Pilates Fachleute, sondern tatsächlich auch an Tanzpädagogen, an alle aus dem Bewegungsbereich. Ich hatte das Gefühl, dass ich mal meine Erfahrungen natürlich inspiriert durch meine Lehrer in der Tanzpädagogik, durch Jean Wallis vor allen Dingen, bei der ich vier Jahre Tanzpädagogik studiere, im Pilates-Bereich, Rael Isacowitz und andere Dozenten, die mich entscheidend geprägt haben. Ich habe das mal niedergeschrieben, wen es interessiert, es ist im Handel.

Kerstin Bredehorn: Super, da gucke ich doch gleich mal rein. Danke dir fürs Teilen und ich hoffe, dass der ein oder andere da was Gutes mitgenommen hat und lasst uns mal wissen, ob ihr auch solche Erfahrungen habt.

Natasha Eyber: Danke. Tschüss.

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